“Geil, mein Jugendtausender!” ruft das Millionärskind

kind-mit-geldDer Jugendtausender ist eine typische Angelegenheit mit der man sich bei BZÖ/FPK Politik herumschlagen muss. Er wird das Land Kärnten ca. 6.000.000 Euro kosten. Und er soll an alle Jugendlichen (von 16-18) die ihn beantragen gezahlt werden. Gefördert wird pro Förderbereich maximal 500 €. “Alle” meint wirklich “alle” -Vom Kind mit arbeitslos gewordenen Eltern bis hin zu den Kindern von Reichen in Wörtherseevillen. Genau in Zeiten wie diesen, wo an allen lebenswichtigen (!) Ecken gespart wird, wirft das ein schiefes Licht auf die Gieskannen- und Wahlkampfpolitik a la HYPO des BZÖ/FPK. Klar ist es leicht zu sagen “Populismus!” und das ist der Jugendtausender sicher auch, aber meistens hat  diese Kritik doch etwas sehr Verzweifeltes an sich. Es ist nämlich - wie bei vielen BZÖ-Sozial-Projekten (Teuerungsausgleich, Pendlergeld, Müttergeld etc.) auch meistens ein Körnchen Wahrheit dabei. In den 4 Förderbereichen ist echt einiges was für Junge Leute gefördert werden sollte, man kann es aber zielgerichtet (also effizienter) machen und auch die wirklich notwendigen Bereiche und Leute treffen.

1. Förderbereich: B-Führerschein. Na klar jeder weiß, dass ein Führerschein extrem teuer ist, also meist in Summe, um die 1200-1400 Euro kostet. Klar ist auch: Wer einen Führerschein hat, bekommt besser einen Job (Man könnte es daher z.B. an einen angehenden Job binden). Aber wer nur mit seinem GTI- zum Spaß herumfahren will, da bin ich mir nicht sicher, ob man das mit 500 Euro fördern muss. Außerdem - Ganz ehrlich - genau bei Fahrschulen würden auch verordnete Maximalpreise (z.B. Per Gesetz nicht mehr als 1000 Euro) reichen. Das kostet das Land nichts und ich kann mir nicht vorstellen, dass die Fahrschulen da ohne Gewinn aussteigen würden. Es kursieren schon lange Gerüchte (!) , dass es Preisabsprachen zwischen den Fahrschulen gibt. Der Zuschuss durch den Jugendtausender wirft den Fahrschulen wahrscheinlich unnötig Geld in den Rachen.  Da wäre es meiner Meinung nach gleich gescheiter endlich eine Öffi-Freifahrt für alle jungen KärntnerInnen zu machen!

2. Förderbereich: Ausbildungskosten für Höherqualifizierung im Beruf. Dieser Punkt ist beispielsweise einer den ich hochgradig befürworte. Da wir wissen, dass Bildungsgrad (speziell im Alter von 16-18 Jahren) massiv vom Bildungsgrad und Einkommen der Eltern abhängt, wäre das für mich ein klassischer Bereich den man mit einer Förderung versehen könnte, wo man aber (wie bei der Studienbeihilfe) auf das Einkommen der Eltern (und die Kinderanzahl schaut). Dieser Bereich könnte für mich ruhig mit mehreren tausend Euro gefördert werden. Bei (Aus)Bildung spart man nicht. Genau jetzt nicht wo Kärnten intellektuell wie auch wirtschaftlich am Sand ist. Was spricht dagegen? Mir fällt nur ein Gegenargument ein: Diesen Bereich sollte GRUNDSÄTZLICH der Staat übernehmen - das Auslagern an Private (kostenpflichtige) Zertifikat-Anbieter sollte damit unterbunden werden. Der Jugendtausender tut das nicht.

3. Förderbereich: Heimkosten für Kärntner Lehrlinge für den Besuch einer Fachberufsschule. Da bin ich dafür, und das hätte schon längst gemacht werden müssen. Es darf nicht sein, dass Lehrlinge die für einen Betrieb arbeiten, teilweise ihr ganzes sauer verdientes Geld für die gesetzliche Berufsschule ausgeben. Viele machen sogar ein Minus. Aber das sollte nun wirklich der Betrieb und der Staat zusammen übernehmen und - sorry her Scheuch - was bringt es einem Lehrling wenn ca.  einmal (!) seine notwendige (!) Heim-Miete damit ersetzt wird? Das ist fast eher eine Schikane des Landes.

4. Förderbereich: Mietkostenzuschüsse/Heimkostenzuschüsse für Lehrlinge, Schüler und Studenten: Auch hier ist es sozial keineswegs gesagt, ob jemand einfach zum reichen elterlichen Haus noch eine zusätzliche Mietwohnung zum Vergnügen hat (das kommt echt vor!). Punkto Miete und Heimkosten: Mir wäre es lieber, wenn auch die Maklergebühren endlich (gesetzlich!) stark begrenzt werden würden. Mietzuschüsse in diesem Alter können auch als Geld für Anschaffungen für die erste Wohnung ausbezahlt werden (Wie unser Grünes Modell zum Wohnstartgeld). Das wäre wahrscheinlich ehrlicher. Aber trotzdem wäre es auch hier wichtig nicht reichen Kindern/Studenten - die eventuell auch schon selbst gut verdienen - auch dieses Geld zu geben sondern sozial zu staffeln. Dumm ist meiner Meinung nach ein Wohn-Startpaket nicht, da es ein Anreiz für viele Leute sein kann doch in Kärnten wohnhaft zu bleiben und nicht abzuwandern (was sich schlussendlich auch im Finanzausgleich in den Städten bezahlt machen könnte). Das wäre warscheinlich besser und ehrlicher, als eine Einmalzahlung (!) als “Mietkostenzuschuss” zu bezeichnen.

Also zusammenfassend kann man sagen, dass das BZÖ/FPK mit der populistischen Einmalzahlungs-Gieskanne über viele Bereiche drüberfährt, wo man gezielter und langfristiger fördern könnte/müsste (Maximalpreise bei Führerscheinen, Wohnstartgeld, Gratis Öffis, dauerhafte Bezahlung der Lehrlings-Heimkosten, auch die Maklergebühren gehören bundesweit gesetzlich begrenzt, und die Gemeinden könnten auch sehr viel im Wohnungsbereich machen, weiters sollte das BZÖ die Streetworker wieder einstellen die sie entlassen haben, Gratis Förderunterricht an der Schule statt teurer Nachhilfe usw). Diese Punkte sollten allerdings nicht auf die “ErstwählerInnen” von 16-18 beschränkt sein. Warum die Beschränkung? Braucht ein 20 Jähriger der die selben Dinge macht nicht auch Geld? Der Ausbildungsaspekt ist gut, sollte aber sozial gestaffelt sein und müsste noch ausgeweitet werden. Oft trifft der Jugendtausender einfach die falschen (z.B. Millionärskinder), die (nicht nur in Zeiten der Wirtschaftskrise) wirklich nicht gefördert werden müssten. Gezielt ist zwar langweilig, aber es trifft das Ziel: Es gibt viel bessere Möglichkeiten Junge zu fördern und oftmals grenzt der Jugendtausender schlicht an eine Verarsche (”Einmalgeld” bei Lehrlingsheimen und bei den Mietkosten). Oftmals sind die Anspruchs-Kriterien des Landes auch so schwammig formuliert, dass ich befürchte, dass es parteipolitische Willkühr geben wird, wer Beihilfen bekommt und wer nicht! Außerdem finde ich es seltsam, dass es ausdrücklich (!) keinen Rechtsanspruch auf den Jugendtausender gibt - Warum?

3 Responses to ““Geil, mein Jugendtausender!” ruft das Millionärskind”

  1. Peter Grassberger schreibt:

    Maximalpreise den Fahrschulen vorschreiben sehe ich überhaupt nicht ein… Ja, der Führerschein ist teuer, aber er ist auch mit mehreren Stunden Einzelunterricht verbunden. Die Leistungen der Fahrschulen können sich ja auch unterscheiden und somit auch der Preis.

  2. Julian Schmid schreibt:

    @ Peter: Naja, wie erwähnt gibt es schon lange Gerüchte über Preisabsprachen. Und da wo es Kartelle gibt kann man sehr wohl mit Maximalpreisen eingreifen. Ich bin mir nicht sicher, ob das überhaupt überprüft worden ist. Ich vermute aber, dass diese Möglichkeit keine Landeskompetenz darstellt und von Seiten der Landesregierung deshalb schwer umsetzbar ist. Also bei allen meinen Bereichnungen, habe ich NIE verstanden, warum ein Führerschein so viel kostet. Außerdem gibt es die möglichkeit des “Selbstfahrers” wo man glaube ich genau 3 Fahrstunden hat! Weiters zahlt - man glaube - ich 160€ nur für das gesetzlich verpflichtende (!) Fahrsicherheitstraining, welches zwar sehr sinnvoll ist, aber immerhin ÖVP/SPÖ parteinahe Unternehmen (ARBÖ und ÖAMTC) gesetzlich unterstützt. Also ich bin mir nicht so sicher, ob man Fahrschulen durch das Jugendstartgeld subventionieren muss.. PS: Laut meiner Erfahrung unterscheiden sich die Preise der Fahrschulen nicht sonderlich.

  3. Peter Grassberger schreibt:

    @Julian: Ok, wenns Preisabsprachen gibt, seh ich das natürlich auch wieder anders… aber dann bin ich aber in erster Linie für Aufklärung! Anstatt von Gerüchten direkt auf staatliche Preisregelung zu springen…

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