(”Grün braucht Schwarz nicht!” - Replik des Grünen Justizsprechers auf einen Presse-Kommentar von Volker Plass - dem Sprecher der Grünen Wirtschaft Österreich)
Volker Plass meint: „Traut euch, Schwarz und Grün“ und meint, Österreich brauche eine schwarz-grüne Bundesregierung, die Molterer und Van der Bellen auch gleich gemeinsam vor den Wahlen aushandeln und bewerben sollten.
Was für manche kühn und innovativ klingt, ist für die Grünen eine Sackgasse. Die ÖVP ist gerade gescheitert. Jedes soziale oder christliche Profil ist ihr schon lange verloren gegangen. Die ÖVP braucht deshalb im Wahlkampf die Grünen, um sich interessant und zukunftsorientiert zu machen. Nicht zufällig versucht die ÖVP, mit der schwarz-grünen Karte zu punkten. Die Grünen brauchen aber Schüssel, Molterer und Neugebauer nicht. Warum soll man sich einen Klotz ans Bein hängen, und wer soll die Grünen dafür wählen?
Die Grünen sind auch nicht, wie von Plass behauptet, die zweite bürgerliche Partei. Mit Selbstbewusstsein kann man sagen, die Grünen bilden längst ein viertes Lager, genährt aus der studentischen Linken und kritischen BürgerInneninitiativen. Richtig ist, dass Teile dieses „Lagers“ Zulauf von kritischen Bürgerlichen erhalten haben. Gerade die haben sich mit Schrecken von der Ausländer-, Sozial- und Umweltpolitik der ÖVP abgewendet. VP-Innenminister, die willkürlich Familien auseinanderreißen, und schwarze Bürgermeister, die ein Einkaufszentrum nach dem anderen auf die grüne Wiese knallen, ziehen nicht an, sondern schrecken ab.
Dürftige Gemeinsamkeiten
Ob die Parteispitzen der Grünen und die Schwarzen, wie Plass behauptet, tatsächlich besser miteinander können und wollen, sei dahingestellt. Klar ist aber, eine Koalition ist kein Kaffeekränzchen unter Freunden. Ein Mindestmaß an Vertrauen ist zwar notwendig – ob es das gegenüber der Schüssel-ÖVP, der Sprengmeisterin dreier Koalitionen, geben sollte, darf bezweifelt werden.
Die Gemeinsamkeiten dürften derzeit eher dürftig ausfallen. Die ÖVP steht primär für Machterhalt und sekundär für Klientelpolitik. Während die ÖVP ihre traditionellen WählerInnengruppen versorgt, haben die Grünen gesamtgesellschaftliche Entwicklungen im Auge. Die ÖVP macht längst vor allem Politik für die „oberen Zehntausend“, die Grünen hingegen haben sich aus gesellschaftlicher Verantwortung Umverteilung, Armutsbekämpfung und den Erhalt eines lebenswerten Planeten auf die Fahnen geschrieben. Und das, obwohl die Grünen nicht immer von jenen Gruppen gewählt werden, für die sie Politik machen. Letzteres mag manchem naiv vorkommen, entspringt aber dem Charakter der Grünen, eben nicht bruchstückhaft eine Klientel zu bedienen, sondern politische Innovationen voranzutreiben und neue Lösungen zu suchen. Die Liste der daraus resultierenden Unterschiede zur ÖVP in Fragen der Gesellschafts-, Umwelt- oder Wirtschaftspolitik ist lang.
Selbst in der Europapolitik sind Gemeinsamkeiten dürftig. Das beliebte rot-schwarze Spiel, in Brüssel zuzustimmen und in Wien Brüssel die Schuld zu geben, hat Europa im Ansehen der Österreicher und Österreicherinnen ruiniert. Wo sind die Initiativen der ÖVP für eine europäische Umweltpolitik oder einen Stopp des ruinösen Standort- und Steuerwettbewerbs? Die ÖVP hat bei genauerem Hinsehen aus mangelndem Interesse keine aktive Europapolitik betrieben, schon gar keine Richtungsänderung versucht. Europapolitische Handschrift hat die ÖVP nur hinterlassen, wenn es darum ging, bei Agrarförderungen für die heimischen Großbauern Klientelpolitik zum Schaden einer nachhaltigen Landwirtschaft zu betreiben. Die Grünen sind zwar proeuropäisch und international ausgerichtet, stehen aber der EU-Realpolitik kritisch gegenüber.
Dazu kommt die Phobie der ÖVP vor jeder Art von Kontrolle. Ob parlamentarische Minderheitenrechte, transparentes Parteispendengesetz oder umfassende Strafbestimmungen gegen korrupte Abgeordnete, die ÖVP war stets dagegen. Wenn es um die Kontrolle der BürgerInnen geht, war das anders. Unter einem VP-Innenminister wurden die Überwachungsmöglichkeiten im Sicherheitspolizeigesetz verschärft. Rechtspopulismus dürfte das neue Kochrezept eines Teils der ÖVP sein. Das heikle Thema Sexual- oder jugendliche Straftäter taucht in den aktuellen internen Strategiepapieren als Wahlkampfthema der Schwarzen auf. War es bisher der FPÖ vorbehalten, mit einfachen Lösungen Stimmung zu machen, übernimmt das jetzt die ÖVP. Ein Mindestmaß an Verantwortung muss von einer Staatspartei, wie sich die ÖVP gerne selbst sieht, in einem existenziellen Wahlkampf verlangt werden.
Opposition ist keine Strafe
Wer glaubt, im Windschatten von Schüssel und Molterer erfolgreich sein zu können, hat sich schon aufgegeben. Die Grünen dürfen durchaus selbstbewusster sein. Man muss nicht um die gar nicht mehr so großen Parteien tanzen und ständig erklären, wem man näher steht. Sollen doch einmal die anderen erklären, wie sie zu den Grünen stehen. Wer will einen grünen Politikwechsel in Sozial- und Umweltfragen mittragen? Wollen Herr Faymann oder Herr Molterer eine andere Menschenrechtspolitik?
Wenn nicht, erübrigen sich viele Spekulationen. Die Fortführung des momentanen Kurses mit grüner Beteiligung macht keinen Sinn. Unbestritten ist, dass Grüne willens und in der Lage sind, Regierungsverantwortung zu übernehmen. Klar ist auch, dass ein Regierungsübereinkommen nie das grüne Parteiprogramm eins zu eins abbilden wird, ein Kurswechsel aber sichtbar sein muss.
Eine Weiterarbeit in der Opposition nach der nächsten Wahl ist für Grüne auch keine Strafe. Eine funktionierende Demokratie braucht eine engagierte Kontrolle. Die Grünen haben diese Rolle bisher verlässlich ausgefüllt. Ohne billigen Populismus wurden Fehler, aber auch Alternativen und Lösungen aufgezeigt. Das sollte man kommunizieren, denn die Grünen stehen für ihre Positionen, in Opposition wie Regierung.