Zivildienst ist Zuvieldienst!
Zivimangel in Kärnten: Zivildienst attraktiver machen und verkürzen!
Österreichweit stieg die Zahl der Zivildiener im
vergangenen Jahr um 12,85% an, während in Kärnten die Anzahl der Zivildiener um ca. 10% sank. 2005 gab es in Österreich knapp über 10.300 Zivildiensterklärungen, im Vorjahr waren es bereits fast 12.800.
IN KÄRNTEN
Mehr als die Hälfte der Zivildiener in Kärnten arbeiten beim Roten Kreuz und der Caritas. Die Caritas spricht von einer dramatischen Situation. Auch das Rote Kreuz spürt den Rückgang der Zivildiener deutlich: Es mussten zB im vergangenen Jahr 45 Aushilfskräfte eingestellt werden, um die fehlenden Stunden und Arbeitsleistungen der Zivildiener auszugleichen. Für das Rote Kreuz ist das finanziell ein schwerer Schlag. Das Jahr 2008 verspricht auch keine Besserung. Diese Entwicklung ist dramatisch und zeigt, wie wichtig die Einbindung von Zivildienern für die Aufrechterhaltung sozialer Dienste ist.
Zivildienst wird als Zuviel-Dienst gesehen und macht den “Wehrersatzdienst” unattraktiv. 9 Monate Zivildienst müssen auf 6 Monate Bundesheer angeglichen werden!
Auch die Aufklärung über die Möglichkeit eines Zivildienstes kommt in Kärnten viel zu kurz: Viele wissen gar nicht, dass es die Möglichkeit eines Zivildienstes gibt; zudem kommt noch das Problem, dass die Einweiser bei der Musterung immer Militärs sind und von diesen naturgemäß der Grundwehrdienst favorisiert wird. Deshalb sollten bereits bei der Musterung z.B. VertreterInnen der „Zivildienstservice Agentur“ dabei sein und junge Menschen auf die Möglichkeit des Zivildienstes hinweisen. Auch sollte der Zivieldienst für Frauen geöffnet werden.

29. April, 2008 um 18:39
Sehr geehrter Herr Schmid!
Im Rahmen unseres Studiums an der Karl-Franzens-Universität Graz befragen wir momentan Internet-Blogger. Ich habe mich in diesem Zusammenhang für Politikblogs entschieden und verfolge seit längerer Zeit aufmerksam Ihre Beiträge. Die Befragung ist natürlich anonym und wird auch nicht veröffentlicht. Es würde mich sehr freuen, wenn Sie sich kurz Zeit nehmen könnten und den unter dem Link http://www.befrager.de/befragung.aspx?projekt=6308 online abgelegten Fragebogen auszufüllen. Ich darf mich bereits im Vorhinein für Ihre Bemühungen bedanken!
Mit freundlichen Grüßen aus Graz
David Kessler, Bakk.rer.soc.oec.
29. April, 2008 um 20:52
erledigt:-)
29. April, 2008 um 22:46
Perfekt, danke schön! ;-)
Absolut interessante beiträge und stellungnahmen übrigens, kompliment!! Als geborener Villacher, der im Juli dass Studium abschließt und wieder in die “Kärntner Heimat” zurückkehrt kann ich vielem hier absolut beipflichten. LG aus Graz
15. Juni, 2008 um 02:04
Also mich hat es damals bei der Musterung positiv überrascht, dass der Zivildienst sehr wohl deutlich als Alternative hervorgehoben wird. Es sind zwar keine Leute vom Zivildienstservice dort, aber bei den Präsentationen wurde eigentlich genau gesagt was man machen muss wenn man sich dafür entschieden hat. Ich wusste schon, dass ich Zivi werden will und hab mir dann mein Formular geholt.
Ich bin dann beim Roten Kreuz in Klagenfurt gelandet, wo die meisten hinkommen und auch recht viele Zivis waren. Aber es gab da auch schon den Abwärtstrend. Das System hat natürlich auch funktioniert bevor es die Zivis gab, aber so wie es jetzt ist hängt der Betrieb davon ab wie viele junge Leute dazu kommen wenn andere ihren Zivildienst beendet haben. Es gab wie ich dort war (2006-2007) gerade ein Problem weil die alten 12-Monate-Zivis verschwanden und nur mehr 9-Monate-Zivis nachgekommen sind. Die Leuten bleiben kürzer erhalten und es ist nicht sicher wie viele wieder dazu kommen. Insofern ist es fraglich, ob eine weitere Verkürzung wirklich helfen würde.
Bezüglich Attraktivität: Ich glaube vor allem das Image des Zivildienstes gehört aufpoliert. Die meisten Leute verstehen darunter die Horrorbeispiele bzgl. Pflege alter Leute, während das Heer eher für Spaß steht. Zivildienst ist sicher keine gemütliche Sache, aber auf jeden Fall ein unaustauschbares Erlebnis, dass man durchgemacht haben sollte. Ich möchte noch ansprechen, dass ich damals mitbekommen habe dass einige Hauptberufliche beim Rettungsdienst ungut zu den Zivis sind. Deshalb empfehle ich nicht ohne “aber” zum Roten Kreuz zu gehen… Aber das ist eine andere Geschichte.
Ich halte es für eine gute Idee, Frauen mit ein zu beziehen :) Da hat man gleich 2 Mal so viele Kräfte!
15. Juni, 2008 um 22:34
Wegen dem positiven Hinweis auf den Zivildienst bei der Musterung: Wahrscheinlich warst du, wie ich, in Klagenfurt bei der Musterung. Da haben sie darauf hingewiesen, ja. Aber bei mir war die Erwähnung wirklich nur vollkommen nebensächlich. Und es hängt auch wirklich von den Einweisern ab, die IMMER höhergradige Militärs sind. Das finde ich schon eine Seltsame Info-Grundlage für die Wehrdienstverweigerung;-) Ein Mann von der ZSA würde das auf jeden Fall besser machen - und außerdem in Feldkirchen, wo ich Zivi habe, kennen die wenigsten die Möglichkeit des Zivildienstes - Wirklich!
Bei deiner beschriebenen Problematik wegen der kürzeren Einsatzzeit: Hast du schon mal überlegt, warum nur so wenige zum Zivildienst gehen? Hauptargument von fast ALLEN: “Bund is ja viel kürzer!” Das schlechte Image stimmt, aber das ist mit Sicherheit nicht der Hauptgrund für den Zivimangel, sondern, dass du schon fast Idealist sein musst um einfach so die Bürde der 3Monate länger auf dich zu nehmen.
Ich sage dir: Bei einer vollkommenen zeitlichen Angleichung an das Bundesheer ist, nach ein, zwei Jahren, der Zivimangel futsch.
Momentan ist das eine völlig sinnlose Diskriminierung.
PS.: Zivi ist eine wirklich tolle Erfahrung und ich empfehle es jedem.
Liebe Grüße,
Julian
15. Juni, 2008 um 23:46
Wenn das so ist, sollte wirklich jemand von der Ziviagentur fix bei den Musterungen dabei sein. Ich hatte das Gefühl, dass das Heer inzwischen verpflichtet ist den Zivildienst zu erwähnen, aber ist natürlich blöd wenn das teilweise komplett ausgelassen wird.
Stimmt, man muss wirklich Idealist sein. Und es ist auch wirklich total daneben, dass das Heer kürzer ist. Die Verkürzung von 12 auf 9 Monate war schon mal ein guter Schritt. Ob jetzt das Heer verlängert oder Zivi verkürzt wird ist eigentlich egal, ich glaub kaum dass das Heer sehr zu leiden hat wenn weniger Leute hingehen, ist im Grunde eh nur Beschäftigungstherapie meiner Meinung nach ;)
15. Juli, 2008 um 21:36
Der letzte Satz war für mich als Zuvieldiener der interessanteste:
“Auch sollte der Zivieldienst für Frauen geöffnet werden.”
Meiner bescheidenen Meinung nach sollte dies nicht nur möglich sondern sogar verpflichtend sein!
Gründe dafür gibt es zahlreiche. Als erstere wäre mal zu nennen, da man in den äußerst wertvollen Monaten nicht nur ausgenutzt wird, sondern an Reife und Kompetenz massiv dazugewinnt (Selbststudie). Man lernt, leicht konservativ behauptet, fürs leben, kommt in nie dagewesene Situationen, lernt zu entscheiden und zu handeln, kurz: wird erwachsen!
Sieh dir mal die frischen Studentinnen auf der Uni an, also tut mir leid, aber bei ein paaren frag ich mich wirklich wer denen daheim wohl die gutenachtgeschichte vorm einschlafen erzählt.
Weiters ist man für den Sozialstaat Österreich immens wichtig. Egal ob man Behinderte betreut, im SOS Kinderdorf tätig ist oder im Rettungsdienst, man ist dem Staat wie den Leuten eine große Hilfe. Wir bauen unsere Kompetenzen massiv aus (in der Regel) und nutzen sie später weiterhin (in der Regel). Das wir ausgenutzt werden ist schade, aber ich nehme an das ist der Preis dafür.
Und wieder sehe man sich manche junge Frauen an. Das einzige wesen zu dem sie sozial sind, sind sie selbst. Und vielleicht die Hauskatze.
Das sind freilich nur ein paar gründe, aber ich glaube mein Standpunkt ist hier klar: Ein verpflichtenes soziales Jahr für jede(n) Achtzehnjährige(n). Der Präsenzdienst wird abgeschafft. Untauglichkeit gibt es nicht- jeder wird nach seinen Fähigkeiten eingeteilt. Wenn er keine hat? Es gibt immer etwas nützliches zu tun!
Ich stelle mir das so vor, das weiterhin eine Kommission die Eignung prüfen wird. Freilich werde ich keine schreckhafte blondine zur rettung einteilen, das ist nicht das richtige für sie. Aber es findet sich schon was.
Bin gespannt auf deine Meinung und hoffe auf Gegenargumente!
Lg
Die Zivisau
17. Juli, 2008 um 11:52
Übrigens wer bist du? Deine Meinungen gefallen mir unglaublich gut und fast alles, was du geschrieben hast deckt sich mit meinen Ideen. kannst mir das auch mail schreiben: julian.schmid@gruene.at ;
Das Problem am Gegenargumentieren bei einem verpflichtenden Sozialjahr für alle + Abschaffung der Wehrplicht ist bei mir, dass ich überhaupt nicht dagegen wäre, im Gegenteil.
Trotzdem schildere ich dir meine Misere: In meiner Brust wohnen in dieser Frage 2 Seelen, die sich permanent bekriegen:
1. Seele: 6 Monate Sozialdienst für alle 18jährigen Frauen und Männer. Denn ich glaube(Ebenfalls aus Eigenstudie - bin ja auch Zivi), dass die soziale Erfahrung irre viel wert ist und jeden Menschen verändert. Ich glaube, dass sich eine Gesellschaft langfristig zum positiven verändert, wenn jedeR eine Zeit lang beim Roten Kreuz, Caritas, in der Behindertenpflege, in Jugendzentren, SOS Kinderdorf, Obdachlosenbetreuung usw. gearbeitet hat. Das wäre ein ganz anderes gesellschaftliches Funderment, als 3/4 der Männer gehen Bundesheer (gehorsam lernen, Schlammkriechen, Bier trinken, MANN sein, Waffe üben) und Frauen gehen nicht (Argument: Sie bekommen ja später Kinder und müssen ja im Haus helfen…). Das Funderment wäre ein ganz anderes. Außerdem finde ich, dass genau die reichen Söhnchen und Töchterchen auch mal Obdachlose betreuen sollen. Momentan sind genau die unabdingbar, weil sie ja in der Firma vom “Papa” helfen müssen… Und wenn, dann gehen die zum Bundesheer. Untauglichkeit soll es aber weiterhin geben. Manche sind eben untauglich.
2. Seele: Eigentlich bin ich gegen Zwangsdienste. Es gibt auch einige von der “Shopping-Fraktion”, wo ich mir nicht so sicher bin, ob die wirklich mit einem Sozialdienst umgehen könnten und ob ich die auf Bedürftige “loslassen” will.. Da sollten die lieber nix machen oder doch lieber mit der Waffe spielen und saufen. Für ein Berufsheer und die Abschaffung der Wehrpflicht bin ich aber trotzdem. Die Frage ist für ich nur, ob der Zivildienst verpflichtend werden soll, oder nicht. Wenn nicht, dann muss er massiv aufgewertet werden.
Ich galube aber, dass ein halbes Sozialjahr für alle schon drin sein müsste.