Private Nachhilfe: Die heimliche Privatisierung unserer Bildung
“Die Schule ist gratis!” Gerne wird das wohltäterisch lächelnd von Regierungs- PolitikerInnen betont und als Beweis für den “toll funktionierenden Sozialstaat Österreich” gepriesen.
Auf der anderen Seite wird von uns globalisierungskritischen Menschen oft gewarnt, dass in diesem Punkt nichts auf ewig in Stein gemeiselt ist und dass es das Ziel einiger Institutionen ist, die Bildung zu privatisieren. Man hört immer öfter von Ideen über ein geplantes Schulgeld und Redbull-Sponsoring-Klassen. So sehr diese Kritik und Angst vor einer Privatisierung der Schulen stimmt, eines dürfen wir, bei aller Sorge um die Zukunft auf keinen Fall übersehen:
Schule ist jetzt schon, bei weitem, nicht (mehr) gratis. Das wissen auch alle Eltern. Schulgeld gibt es zwar im öffentlichen Bildungssystem keines, aber die Schule wird in den letzten Jahren vor unseren Augen (fast) unbemerkt privatisiert:
- Die Materialien für den Unterricht kosten doch eine Stange Geld
- Schulsporttage und Reisen sind trotz eventueller Elternvereinsunterstützung für ärmere Familien nicht zu unterschätzen
- Die Zeiten, in denen Schulbücher wirklich gratis waren sind in Österreich leider auch schon wieder Geschichte, der Fixbetrag steigt jedes Jahr
- Ein Kind jahrelang im Bildungsweg durchzufüttern im Hotel Mama & Papa ist finanziell für die Ärmere auch nicht so einfach, wie’s klingt. (kein Wunder, dass man das Kind nicht bis zum 19 Lebensjahr auf’s Gymnasium schicken kann, sondern es bis 14 Jahre in die Hauptschule gibt, wo es danach eine Lehre machen kann und finanziell schnell auf eigenen Beinen steht)
Ein wichtiger Punkt, der aber von der Öffentlichkeit kaum beschrieben und kritisiert worden ist:
- Die Privatisierung der Schule in die private Nachhilfe:
Fast jedeR SchülerIn nimmt heute schon teure, bezahlte Nachhilfe in Anspruch (Durchschnittlich kostet eine Stunde zwischen 15 und 30 Euros). Es scheint nur wenige in der Österreichischen Bildungs-Highsociety und Polit-Schickaria zu stören, dass sich von Jahr zu Jahr mehr Unterricht aus dem Schulgebäude hinaus in die privaten Lernstuben verlagert.
Vieles wird von den SchülerInnen mehr verlangt, als ihnen die LehrerInnen in 30-Köpfigen Klassen beibringen können. Viele kommen, ohne auch nur im geringsten dumm zu sein, nicht mit dem Stoff mit. Die größten Probleme gibt es in Mathematik, Fremdsprachen und Physik (Da sich hier die verschieden Lerntypen am deutlichsten zeigen und in unserem Schulsystem kaum auf diese eingegangen wird. alle werden über einen Kamm geschehrt: Auditive, Visuelle und Haptische Lerntypen) Was die Schule versäumt, muss immer mehr das private Geldbörsl der Eltern wegmachen. Für Reiche ein Klacks, für Arme unmöglich. Reiche Kinder werden durchgeschoben (auch wenn sie vielleicht nicht allzu viel auf dem Kasten haben), und Kinder aus ärmeren Elternhäusern hören mit der Schule auf.
Warum so viele BildungspolitikerInnen nichts dagegen machen wollen? Ganz einfach: Das System zu reformieren braucht viel Wille, Mut, Energie und Budget. Nichts gegen die überschwappende Privat-Nachhilfe zu tun und noch zu warten (”merkt eh niemand”) ist da einfacher. Vor allem ist das einfacher, weil, meiner Meinung nach, dieses Thema ein Tabuthema ist, da Eltern, die ihr Kind in Nachhilfeunterricht haben noch immer glauben, der Fehler liegt bei ihrem Kind (”Is’ es vielleicht nicht so gscheit wie die anderen?!”) und nicht beim System.
Nachhilfe ist zu einem großen Geschäftszweig geworden in den letzten 20 Jahren. Von verschiedenen Lerninstituten gibt es Schätzungen, dass jede Österreichische Familie (mit Kindern in Ausbildungsalter) durchschnittlich rund 320 Euro pro Jahr und Kindernase zahlt.
Ich sage: Nein zur Privatisierung der Bildung, weder in Zukunft noch jetzt. Chancengleichheit für alle Kinder und Jugendlichen darf nicht beim hinausgehen aus der Schule am Schultor aufhören.
Es gibt ein paar Punkte, wie die private Nachhilfe verringert werden kann:
- Rund 70% der Nachhilfe wird im Fach Mathematik gebraucht. Der Rest sind Fremdsprachen und Physik. Das zeigt, dass die SchülerInnen nicht dümmer geworden sind, sondern es bestimmte Schulfächer gibt, die in Klassen mit 30+ SchülerInnen nicht mehr qualitativ zu unterrichten gehen. Eine Lösung wäre: Wirkliche Verkürzung der KlassenschülerInnen-Höchstzahl (Nicht nur davon reden wie die RegierungspolitikerInnen)
- Auf jeden Fall wichtig wären mehr Lehrerinnen und Lehrer.
- Aber das Wichtigste: Nach dem jetzigen “Alle über einen Kamm scheren”-System kann man gar nicht sagen, ob die die gut sind auch wirklich so viel stärker sind, als der/die SchülerIn, die weniger gut ist. Das klingt als erstes unlogisch, hängt aber mit dem verschieden Lerntyps der SchülerInnen zusammen. Momentan wird nur ein Lerntyp gefördert. Nämlich diejenigen SchülerInnen, die am besten lernen, wenn ihnen jemand frontal “diktiert” und sie schreiben auf und lernen das so.
Diejenigen aber, die am besten lernen, indem die etwas anschauen, angreifen, oder sich selbst etwas ausdenken, diskutieren oder präsentieren, kritisieren oder problemlösen, müssen in unserem allegmeinen Bildungssystem meistens schauen, wo sie bleiben. Ein größerer bildungspolitischer Super-GAU und Verschleiß kann kaum gemacht werden. Die Reformpädagogischen Schulen (Walddorf, Montesori,…) machen genau in diesem Punkt einen Unterricht, an dem man sich bildungspolitisch etwas abschauen könnte.
- Weiters kann man auch einmal andiskutieren, ob eventuell der Mathematik der Oberstufe bis Matura nicht eine Spur zu viel Bedeutung gegeben wird (Ich habe wochenlang gelernt, um für die Matura ein Rotationshyperboloid ausrechnen zu können… Ein halbes Jahr später kann ich es nicht mehr und habe nie erfahren für was ich es brauche. Über unser Steuersystem oder Organisatorische Buchhaltung habe ich nie ein einziges Wort gelernt)
- In unserem Schulsystem ist ein weiterer SUPER-GAU versteckt: Man lernt immer nur für die Fächer, in denen man Schwierigkeiten hat. Die Fächer, in denen man ein Talent hat und sie gerne macht, lässt man links liegen. Man ist auch noch froh darüber, dass man sich wenigstens um die nicht kümmern muss und ohne etwas zu tun ein “Befriedigend” bekommt. Da kann man sich voll und ganz auf seine Schwächen konzentrieren.
- Die Schule müsste so organisiert sein, dass die, die in einem Fach gut sind gefordert werden und die die weniger stark sind müssen gefördert werden.

11. Februar, 2008 um 17:31
Ein manifest;)
ich hab vor meiner matura mal über 500 Euro für privat-nachhilfe augegeben…
28. Februar, 2008 um 21:02
Du hast es genau auf den Punkt gebracht. Mein Sohn ist 11, meine Tochter 16 und steht vor dem Abschluss, beide brauchen Mathe-Nachhilfe, dass kann`s doch nicht sein, dass sich die Lehrer so leicht der Verantwortung stehlen.
13. April, 2008 um 17:17
Bei dem großem Anteil an Nachhilfe muss auch das differenzierte Schulsystem betrachtet und in Frage gestellt werden. Diese frühe Teilung des Bildungsweges trägt sicher auch dazu bei,dass der Bildungsweg nicht immer richtig gewählt wird.
In diesem Zusammenhang sei die Frage erlaubt, ob alle in der richtigen Schule sitzen, wenn sie Unsummen in privaten Parallelunterricht investieren wollen.
Es ist in Österreich die Wahl des Bildungsweges stärker, als anderswo an das Elternhaus gekoppelt. Für viele Eltern ist es aber nach wie vor ein Imageproblem, wenn ihre Kinder den Bildungsweg über die Lehre einschlagen.
Bei all dem Zulauf für Höheren Schulen sollte aber nicht übersehen werden, dass neben der höheren Schule auch die Pflichtschule und die Lehre tragende Säulen im österreichischen Bildungssystem sind. Es wird aber der Matura zuviel Prestige gewidmet und die Vielfalt der 270 Lehrberufe, sowie die möglichen weiteren Karriereschritte sind dem grünen Jungendsprecher wohl nicht bekannt.
Ein großer Teil der Jugendlichen, die sich schon sehr früh berufliche!!! Bildung aneignen werden hier nicht erwähnt.
Kann es sein, dass die Grünen die berufliche Qualifikation über die Lehre nicht als Bildung anerkennen?
Nur wenn es in Zukunft gelingt, den Stellenwert der Facharbeit mit der Wertigkeit der schulischen Ausbildung gleichzustellen, können wir dem steigenden Fachkräftemangel wirkungsvoll entgegentreten
Es soll auch nicht vergessen werden, die Lehrlinge von heute sind die Facharbeiter von morgen und die Unternehmer von übermorgen.
14. April, 2008 um 14:05
WICHIG: Das ist ein Text über die private Nachhilfe im Schulbereich - Es ist kein Bildungsprogramm. Ich schätze die Lehre als einen sehr wichigen Teil des Bildungssystems ein (viel mehr, als von Grüner-Bundesseite diesem Bildungszweig an Aufmerksamkeit gewidmet wird).
- Was aber die Lehre mit der Privatisierung der Bildung im öffentlichen Bildunggssystem zu tun hat ist mir nicht ganz klar.
- Das das differenzierte Schulsystrem die Wurzel vieler Übel ist simmt, das ist auch in vielen anderen Blog-Einträgen unter “Bildung” von mir nachzulesen.
Ich vermute aber mal, dass Sie ein Plädoyer für die Lehre gehalten haben. Da stimme ich ihnen großteils zu. Oftmals wird die Lehre aus elterlichen Image-Gründen gar nicht in Erwägung gezogen. Da muss dringend eine Aufwertung passieren.
W. Domenig: “Es soll auch nicht vergessen werden, die Lehrlinge von heute sind die Facharbeiter von morgen und die Unternehmer von übermorgen.”
Ich: Wenn es so einfach wäre, wäre ja alles toll. Diese einfache Aufstiegs-Gleichung trifft leider immer seltener zu. Es gibt massive Hürden im Lehrsystem, die man als Lehrling überwinden muss:
1) Es gibt immer weniger Betriebe, die Lehrlinge aufnehmen. Da müssen klare Schritte gesetzt werden. Mein Vorschlag: Eine Abgabe oder Steuer für Betriebe ab 15 MitarbeiterInnen die nicht mindestens 7% Lehrlinge ausbilden
2) Auch als Lehrling muss man durch seine Eltern leider oft gut abgesichert sein, um die Lehre überhaupt machen zu können. z.B. wen man nicht das Glück hat, in der nähe einer Berufsschule zu wohnen und man in eine Internat/Wohnheim muss, kann man aufgrund der geringen Lehrlingsentschädigung leicht ins monatliche Minus rutschen. Vorschlag: Betriebe müssen, mit staatlicher Unterstützung die Übernachungskosten im Heim bezahlen, oder es wird die Lehrlingsvergütung per Kollektivverträgen angehoben.
3) Die Kosten der Meiserprüfung sind so hoch, dass man sie fast als mittelalterlich bezeichnen könnte. Auch das macht den Aufstieg von Lehrlingen schwer.
Aber wie gesagt, bei dem Text gehts um private Nachhilfe
1. Juli, 2009 um 14:53
erfolgreiche Nachhilfe in Mathematik,Physik,Englisch,Deutsch,Elektrotechnik
Ing. Harald Bichler Radfeld, Tirol
Tel. 0650 4627812