Matura reformieren!
Unnachhaltige nervliche Extrembelastung mit einer vorwissenschaftlichen Jahresarbeit ersetzen.
In diesen Wochen treten Österreichweit 42.000 SchülerInnen zur Matura an. In Kärnten sind 2.882 SchülerInnen reif für die Prüfung. Rund um die schriftliche und mündliche Matura ist die nervliche Belastung für die SchülerInnen extrem. Viele plagen Versagensängste, Alpträume und Psychosomatische Erkrankungen, die noch lange nach der Matura bleiben.
Nicht selten kommt es in dieser fordernden Situation zu einer “Umkehrung”. Das heißt, sehr gute Schüler schneiden mitunter schlechter ab, als es den bisherigen Leistungen in 12 oder 13 Schuljahren entsprechen würde.
Außerdem “lernen” die Schülerinnen und Schüler gezielt nur für die Matura - das meist mit vielen teuren Privat-Nachhilfe Stunden - und haben schon 3 Monate später alles wieder vergessen.
Es wird nicht nachhaltig gelernt, sondern es werd nur kurzfristig “zwischengespeichert”
Die Matura ist daher eine nervliche Exrem-Belastung ohne zusätzlichen Nutzen. Trotzdem ist die Matura aber, aus unerfindlichen Gründen, ein bildungspolitisches Tabu, dass angesprochen gehört
Viel nachhaltiger wäre es eine vorwissenschaftliche Jahresarbeit (Also eine bessere Fachbereichsarbeit) über ein Interessensgebiet unter pädagogischer Begleitung zu machen. Das Lernen wissenschaftlich zu arbeiten, Informationen zu suchen, Quellen auf Glaubwürdigkeit zu überprüfen, logisch zu argumentieren, kritisch nachzufragen und selbständig zu recherchieren hilft mehr, als kurzzeitiges “in den Kopf pressen”. Über diese vorwissenschaftliche Arbeit soll es eine mündliche Prüfung bzw. Präsentation geben. Ansonsten soll einfach feierlich das 12./13. Jahreszeugnis, als Studienberechtigung, überreicht werden.

1. Januar, 1970 um 01:00
Ich stimme zu, dass kurzfristiges Lernen für die Matura nicht ein Optimum darstellt.
Die Frage stellt sich aber im Zusammenhang mit abzuschaffenden Studiengebühren und dem Recht jedermanns, ein Studium zu beginnen, etwas anders.
Ab wann sollen echte konzentrierte Prüfungen stattfinden?
Im ersten Semester jedes Studiums, dass ich kenne, muss der Student innerhalb von wenigen Monaten den Stoff lernen, für den er in der Mittelschule vier Jahre Zeit gehabt hat - und das noch mit einer wesentlichen Vertiefung.
Früher hat man einmal die Matura auch als Voraussetzung für einen möglichen Studienerfolg gehalten. Das scheint heute nicht mehr so zu sein.
Die Maturaprüfung stellt eine Zäsur im Leben dar. Einmal heißt es “hopp oder tropp”. Das kann zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Leben das erste Mal sein.
Ich würde dem Kommentator recht geben, der dieses Prüfungsverhalten schon vorher nach und nach aufzubauen versuchte. Die politische Empörung wäre unglaublich, würde man z.B in der siebenten Klasse eine Vormatura lanzieren, um zu lernen, wie man mit Prüfungsstress dieses Ausmaßes umzugehen hat.
Aber irgendwann einmal wird es ernst. Sollen es die Studenten im ersten Studienabschnitt erfahren. Dann hätten wir drop-out-Raten von 90%.
Vielleicht ist das aber durchaus die Lösung. Vielleicht hängen dann weniger Studenten bis ins zehnte Semester durch, um dann abzubrechen.
Konsequenterweise gibt es dann für das erste Studienjahr keine Studiengebühren aber extreme Ausscheidungskriterien. Sagen wir: in einem technischen Studium müssen im Laufe des ersten Jahres Mathematik-I, Physik-I, Mechanik-I hinsichtlich Übungen und Prüfungen positiv abgeschlossen werden, andernfalls darf das Studium nicht fortgesetzt werden oder die Studiengebühren werden über den Normalsatz hinaus angehoben.
Auch das gäbe eine echte Empörung.
Die Frage bleibt: wann soll es eine erste konzentrierte Prüfung geben?
Oder es gibt zwei verschiedene Abschlüsse:
Matura ohne Hochschulberechtigung
Matura mit
Ich höre schon die Stimmen, die Gleichheitsverletzung beklagen…
1. Januar, 1970 um 01:00
Was ich immer wieder höre und ja auch selbst erlebt habe, ist dass die Matura lange gefürchtet wird und sich dann als harmlos heraus stellt. Das wurde mir erzählt als ich nervös war und das erzähle ich jetzt jedem, der kurz davor steht. Es hängt natürlich von den Lehrern ab, aber ich finde die eigentliche Reifeprüfung findet in der 7./8. Klasse statt, wo der Druck im normalen Unterricht recht hoch ist (viele zu tun in den meisten Fächern). Dann drücken die Lehrer bei der Matura eher ein Auge zu und sind viel netter als bei jeder Prüfung zuvor.
Ich bin aber ganz deiner Meinung, dass die Matura viel zu sehr eine kurzfristige Leistung beurteilt. Ich bin in Holland zur Schule gegangen und da wurde viel mehr benotet und die Leistung in kürzeren Abständen verfolgt. Das hat besser funktioniert, als in Österreich 2 Schularbeiten im Jahr für Italienisch (nach den Stundenkürzungen von Schwarz-Blau)…
Ich muss aber auch den Leuten recht geben, die von Vorbereitung auf das Studium reden. Da muss man sich ja auch auf Klausuren vorbereiten, aber die finden immerhin nicht alle an einem Tag statt. Die Matura ist schon eine Extremsituation und das sollte nicht unbedingt sein. Zumindest eine bessere Vorbereitung aber auch eine Entschärfung wie du sie beschreibst Julian wäre auf jeden Fall nicht verkehrt!
13. Mai, 2008 um 20:07
Auf mich wartet die Matura erst nächstes Jahr, aber ich habe mir natürlich auch schon Gedanken gemacht und ich denke die Matura spielt sich nicht nur in der einen Woche ab, sondern fängt schon früher an
(Ich rede vorwiegend für die AHS)
Ich denke der starke Druck ist nicht zentrales Problem der Sache. Wie funktioniert es auf der Universität? Schüler sollten auf die Universität vorbereitet werden und auf der Universität ist der Druck wesentlich höher. Ich denke die Schüler sollten nicht auf “Wolken getragen” werden und der aktuelle Druck auf Maturanten denke ich ist angepasst. Weder im Berufsleben noch in der weiteren Ausbildung für Maturanten wird so wenig Druck gemacht, wie auf der Schule (ich führe Argumente wie zB den fixen Arbeitsplatz an). Ich denke von der Volkschule bis zur Universität sollte der Druck stetig steigen bis der Schüler selbst im Berufsalltag steht. Schließlich hat jeder Schüler auch die Möglichkeit auszusteigen und die Ausbildung abzubrechen.
Ich denke das Grundproblem in unserem aktuellen Maturasystem liegt darin, dass der Schüler erst direkt vor der Matura als nicht Niveau-konform erkannt wird und dann direkt vor der Matura auf ihn Druck ausgeübt wird, damit er seine Defizite nachholt. Die Lehrer kommen erst direkt vor der Matura drauf, was die Schüler (nicht) können und da ist es zu spät. Schafft der Schüler die Matura (evtl. sogar mehrfach) nicht, hat er sozusagen 4-5 Jahre umsonst in einer Lehranstalt verbracht.
Lehrer sind durchaus angewiesen bereits in der 5. Klasse auf schwächere Schüler Druck auszuüben, aber leider kann ich hier ein Defizit feststellen. Ich denke deine Idee geht in die Richtung, dass Schüler bereits früher gefordert werden und festgestellt werden kann, ob der Schüler das Niveau erreichen kann. Dadurch könne die “Reife” des Schülers früher festgestellt werden und dann würden viele die Schule nicht erst direkt vor der Matura abbrechen. Insofern kann ich deine Idee unterstützen :-)
14. Mai, 2008 um 20:30
Hallo möchtegern Juliana!
Ich habe in letzter Zeit kaum etwas schwachsinnigeres gelesen als dein Blogeintrag über die nervliche Extrembelastung bei einer Matura Prüfung. Das Leben an sich erfordert von jedem Menschen sich in gewissen Situation vor sich Probleme gegenüberzustellen und diese auch zu lösen. Die Reife eins Menschens wächst mit seiner Erfahrung und seinen Erfolgen und Misserfolgen. Die nervliche Belastung einer Maturaprüfung ist nichts gegen das scheitern im Privaten oder beruflichen Bereich. Juliana werd erwachsen und schreib nicht über deine Maturaerfahrungen. (es interessiert niemanden). Lg XXXX
15. Mai, 2008 um 15:07
Ich beantworte dir einfach deine Textpassagen:
“Das Leben an sich erfordert von jedem Menschen sich in gewissen Situation vor sich Probleme gegenüberzustellen und diese auch zu lösen.”
–> Ja, das stimmt. Genaugenommen macht der Mensch NICHTS anderes als ständig Probleme zu lösen. Die Frage ist aber wie man junge Menschen darauf vorbereitet (auch auf die teilweise schwierigere Uni), und weiters, wie man ihnen aber manches Erspart. Was nämlich nicht sein darf ist, wenn bei jungen Menschen Burnout-Anzeichen auftreten!
Mein Ziel is es sicher nicht mehr Hektik, Arbeit und Ansträngung in die Gesellschaft zu bringen.
“Die nervliche Belastung einer Maturaprüfung ist nichts gegen das scheitern im Privaten oder beruflichen Bereich.”
–> Wow! Ein Mega-Argument oO. Das wil ich jedem Menschen und speziell Jungen ersparen. Was ist deine Idee? Die Maturahärte als Vorbereiung anzugleichen an die Belastung einer Krebskranken Mutter, Tod von Freunden, Krankheit, Verschuldung, Privatkonkurs???
Die anderen Argumente von mir verschweigst du. z.B. das unser gesamtes Schulsystem nur auf einzelne Prüfungen ausgerichtet ist ohne auf nachhaltiges lernen zu setzen. Typisch Österreichisch zählt der Titel “Maurant” mehr als das wirkliche Wissen. (Ein Ausbildungsjahr - was nicht viel heißen muss - bringt durchschnittlich 7% mehr Lohn). Die Matura ist für mich DAS Symbol für diese unnachhaltige und ineffiziente Unterrichsart. Du wirst mir zustimmen können, das wir in unserem Bildungssystem “Gute Noten” fast vollkommen getrennt von “Nachhalig merken und WISSEN” unterscheiden können!
Auf meine Alternative gehst du ebenfalls nicht ein. Du scheinst jemand zu sein, der seinen Kopf so lange Schüttelt, bis er ein Haar in der Suppe findet;-)
lg
15. Mai, 2008 um 15:30
Hi Lukas:-) Ich stimme dir in deinem Komentar fast überall zu. Das mit dem ich so nicht einverstanden bin, steht hier. Zur Erklärung kannst du auch meinen Artikel über “Private Nachhilfe” im MENÜ unter “Bildung” lesen. Erklärt auch einiges in diese Richtung.
LUKAS: “Weder im Berufsleben noch in der weiteren Ausbildung für Maturanten wird so wenig Druck gemacht, wie auf der Schule (ich führe Argumente wie zB den fixen Arbeitsplatz an).”
ICH: Das stimmt nur teilweise, also in meiner Zeit als Landesschulsprecher habe ich Leute erlebt, die als SchülerInnen (!) am Rande eines Burnouts gestanden sind. Für diese Menschen geht es schlicht nicht härter. Sie sind am Ende. Das stimmt villeicht bei dir, auch bei mir war’s nicht schlimm, aber allgemein kann ich das überhaupt nicht bestätigen. JA, auch die Arbeitswelt wird rauer, aber mein Ziel is nicht alle Jungen auf TOTALE HÄRTE für ein Leben in unterbezahlten prekären Jobs, leicht kündbaren Beschäftigungsverhältnissen, Konkurrenz und Ellebogen zu trimmen, sondern ich kämpfe GEGEN die TOTALE HÄRTE in allen Bereichen. Die Spannung muss aus der Arbeitswelt genomen werden. Soziale Abfederungen müssen ausgebaut werden und im Bildungssystem muss der Zusammenhalt, Verantwortung und Nachhaligkeit eine wichtige Rolle bekommen.
LUKAS: “Ich denke deine Idee geht in die Richtung, dass Schüler bereits früher gefordert werden und festgestellt werden kann, ob der Schüler das Niveau erreichen kann. Dadurch könne die “Reife” des Schülers früher festgestellt werden und dann würden viele die Schule nicht erst direkt vor der Matura abbrechen.”
ICH: Genau in diese Richtung geht es:-)
lg Julian
15. Mai, 2008 um 17:35
Also ich muss dir zu einem gewissen Grad widersprechen. Klar stellt die Matura eine Belastung dar, aber ich finde es absolut ok, dass SchülerInnen am vorläufigen Ende ihrer Schulausbildung diese Hürde nehmen müssen.
Ziel der Matura ist ja letztendlich auch, dass das in den Jahren davor erlernte Wissen, nochmal überprüft wird. Schließlich sollten die SchülerInnen nicht für eine Prüfung, sondern für deren spätere weitere Ausbildung bzw. für das Berufsleben lernen.
Ich stimme dir aber zu, dass es Reformmöglichkeiten gibt. Eine “wissenschaftliche” Arbeit im Rahmen eines Ausbildungsschwerpunktes wäre aber ein lohnender Ansatz. Diese Arbeit könnte dann ein Teil der Maturanote in diesem Fach sein und in die Gesamtbeurteilung einfließen.
Eine generelle Abschaffung bzw. Ersetzen durch eine Facharbeit finde ich nicht wirklich zielführend…
16. Mai, 2008 um 17:54
oder schau dir seinen blog an http://www.andreassalcher.com/
es gibt halt nicht nur “Marktversagen”
18. Mai, 2008 um 10:09
julian, Ich geb dir bei allen ausführungen recht, ineffizienter kann man gar nicht lernen!
17. Juni, 2008 um 17:35
Stefan, ich stimme dir da voll zu. Auch ist Holland in diesem Punkt auch wesentlich besser aufgestellt.
Dass die Matura ein bildungspolitisches konservatives Tabu ist, merkt man hier ja an den Kommentaren. Ich finde aber, Tabus haben in der Bildungspolitik nichts verloren hämmen jede Verbesserung.
Oben bei einem richigen Kommentar ist das Buch “Der talentierte Schüler und seine Feinde” von Andreas Salcher empfohlen worden. Das tue auch ich hiermit. Ein tolles Buch, dass genau die Probleme unseres ineffizienten Mut-Töter Bildungssystem behandelt. Die Menschen die “harte Vorbereitungen auf das harte Leben” in der Bildung wollen und auch verankert haben sind die schlechtesten Ratgeber, die mehr Zerstören als bilden. Andreas Salcher war übrigens 10 Jahre ÖVP Vize-Chef in Wien, also kein linker Revoluzzer;-)
Die Vorbereitung auf das Studium ist eine andere Sache und wird momentan so gut wie nicht betrieben.
lg