Der geizige Pröll und das Tabu der faulen LehrerInnen

klasse3Die Diskussion um die Verlängerung der Unterrichtszeit der LehrerInnen ist jetzt am Höhepunkt angekommen. Die Fakten sehen bei aller Emotionalität so aus: Finanzminister Pröll ist scheinbar ein geiziger Mann und spart genau da, wo man als Staat in Krisenzeiten nicht sparen sollte - Bei den Schulen und der Bildung. Jedenfalls hat Ministerin Schmied nicht genug Geld um den Betrieb normal weiterlaufen zu lassen und anstatt bei den Kindern zu sparen, spart sie bei den Lehrkräften und lässt sie länger arbeiten, um JunglehrerInnen einzusparen. Von ihrer Budget-Sicht ist das auch verständlich und es ist für mich auch nicht unbedingt ein Tabu manche Beamte (Bsp.: TurnlehrerInnen haben weniger Vorbereitungszeit als SprachlehrerInnen usw.) mehr arbeiten zu lassen.

Ich bin aber der Meinung, dass die Diskussion falsch läuft, denn Pröll sollte schlicht und einfach die Finanzen erhöhen. Es stehen in Österreich über 5000 “engagierte” JunglehrerInnen (mehr oder weniger arbeitslos) in der Warteschlange und verdienen anfänglich Brutto 1800 €, also ca. 1200 € Netto. Sonderlich viel ist das nicht und mein Ziel wäre es eher jungen LehrerInnen einen Job zu geben und da die Bezahlung zu verbessern, als dass AltlehrerInnen noch mehr arbeiten. Außerdem kann man als Beamter nur mehr verdienen wenn man älter wird, ob das ein richtiger Ansporn ist, den Lehrberuf nicht nur als Überbrückung zur Pension zu sehen? Eher nicht. Ich finde mit Engagement der LehrerInnen sollte irgendwie belohnt werden und wenn man eben wennig tut und lieber ein Video einschiebt, sollten auch Konsequenzen möglich sein, wie z.B. eine Verlängerung der Pflichtstunden. Das wäre nur fair gegenüber allen guten LehrerInnen in Österreich. Auch sollte es eine Eingangsprüfung geben - wie in Finnland - die unfähigere LehrerInnen von vornherein “aussiebt”. Denn das schlechte öffentliche Standing des Lehrberufs kommt nicht von irgendwoher, es sind diese immer wieder vorhandenen unglücklichen Einzelbeispiele, die jedeR kennt, wo “ProblemlehrerInnen” den Ruf ihres ganzen wichtigen und ehrenwerten “Standes” in den Dreck ziehen. Die Lehrergewerkschaft tut sich bei der ewigen Verteidigung dieser Lehrpersonen selbst nichts Gutes.

3 Responses to “Der geizige Pröll und das Tabu der faulen LehrerInnen”

  1. alex schreibt:

    Prinzipiell eine gute Beleuchtung, was die Thematik der “Geldverteilung” in Krisenzeiten betrifft. Die Tatsache, dass man (Finanzministerium, allen voran) die Vermehrung und dementsprechende Förderung von Bauvorhaben als zielführender als ein finanzielles Aufpumpen des Bildungssektors ansieht (paraphrasierend zitiert nach einem Gerfried Sperl Kommentar aus der letzten Woche), zeigt einmal mehr die in Österreich vorherrschende “Kleingeisterpolitik”.

    Der Vergleich Turnlehrer vs. Sprachlehrer ist allerdings eine plumpe Pauschalisierung und zeigt, dass du dich mit der Materie nicht eingehend genug beschäftigt hast. Die Vorbereitungszeit für eine qualitativ hochwertige Turnstunde (sprich: was über “Holt’s außa die Wuchtel und spüllt’s!” hinausgeht) steht der einer durchschnittlichen Einheit Französisch um nichts nach, übersteigt diese wahrscheinlich sogar. Das lässt sich nun 1:1 schwer aufrechnen, zeigt aber den Denkfehler der hier begangen wurde: Hier ist nicht zwischen einzelnen Unterrichtsfächern zu differenzieren, sondern zwischen der Einstellung und dem Anspruch des Lehrers an seinen Unterricht. In dieser Form kann man das Tabu “mehr arbeiten zu lassen” allerdings auf die meisten Berufe, zumindest auf jegliche Staatsbedienstete und die meisten Arbeitnehmer des tertiären Wirtschaftssektors umlegen.
    Und du wirst wahrscheinlich selbst wissen, wie sehr die Schere zwischen Anspruch an die eigene Leistung und Einkommen beispielsweise bei manchen Landtagsabgeordneten auseinanderklafft(e) ;). Letzteres soll hierbei keineswegs als Verteufelung dieser “Berufsschicht” verstanden werden, sonder lediglich als Beispiel dienen. Es zeigt zudem, dass mit Größen wie besagtem “Anspruch…” nicht rechnen kann, weil nicht materiell fassbar.

    Etwas sauer stößt mir auch die von dir zitierte “Eingangsprüfung” auf. Wann soll diese deiner Meinung nach stattfinden? Nach dem ersten Abschnitt? Sodass man (nach Grazer Verhältnissen, ev. von Uni zu Uni verschieden) bei “Nichteignung” vier Semester umsonst studiert hat, die man sich zudem kaum auf ein anderes Studium anrechnen lassen kann? Oder aber gar vor Studienantritt? Etliche meiner Studienkollegen sind Lehramtsstudenten und da hört man unisono dies: erst mit den ersten Hospitationen in Schulen bekommt man auch nur einen ungefähren Blick auf das tatsächliche Lehrersein (kurz gefasst). Was eine Prüfung vor Studienantritt obsolet werden lässt…

    Mfg Alex

  2. alex schreibt:

    PS: Möchte noch meine vehemente Ablehnung der Aussage “Denn das schlechte öffentliche Standing des Lehrberufs kommt nicht von irgendwoher” anmerken.
    Da nützt auch die darauffolgende Relativierung nichts.
    Weiters wird dir doch bewusst sein, dass es bei den momentanen Verhandlungen nicht um irgendwelche “Problemlehrer” geht, die verteidigt werden müssen, sondern um eine durchaus wegweisende Entwicklungen im Bildungsbereich. Was ein Einknicken der Gewerkschaft für zukünftige und aktuelle Junglehrer bedeutet, wird dir als Jungpolitiker hoffentlich bewusst sein (und das scheint es auch, s. 2ter Absatz oben). Da muss man der Gewerkschaft nicht zwanghaft noch eine Reinwürgen, nur weil da grad die Schwarzen (nicht, dass ich Sympathien für die ÖVP hegen würde) dominieren. Österreich hat verglichen mit anderen Ländern ohnehin eine erbärmliche Strekkultur.
    Auch seh ich da keine wirkliche Kohärenz, sorry.

  3. robin schreibt:

    das klingt alles ziemlich aus der luft gegriffen und schlecht bis gar nicht argumentiert.wer darf also nun über die fähig- oder unfähigkeit eines lehrers urteilen? und wer bestimmt wiederum diese? wie sollte das “aussieben” denn von statten gehen? etwa nach sympathie irgendwelcher selbsternannten lehrerrichter oder womöglich evaluierungen von seiten der schüler?

    mfg

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