Meine Analyse zu den Wienwahlen
Es ist immer recht schwer ein Wahlergebnis zu analysieren, aber ich schreibe hier meine Thesen und Beobachtungen auf - und ich schreibe nur über die, wo ich mir relativ sicher bin, dass sie stimmen - übrigens kein Anspruch auf Vollständigkeit:
Im Allgemeinen ist die Wahl nicht gut ausgegangen, was wahrscheinlich niemanden bei mir verwundern wird. Dabei meine ich weniger das Grünen Ergebnis (mit dem ich nicht zufrieden bin, das aber nicht einmal so schlecht ist), sondern eher das FPÖ Ergebnis (das ich nicht erwartet habe). Es gibt auch echt erfreuliche Zeichen: z.B. sind die Grünen unter Jungen sehr stark geworden - unter jungen Frauen haben wir überhaupt 30% bekommen. Dazu muss ich aber sagen, dass unter Jungen noch viel Potenzial für die Grünen drin ist und auch berufstätige Junge und Lehrlinge besser erreicht werden müssen. Die FPÖ zieht unter Jungen kaum (außer unter Lehrlingen und jungen ArbeiterInnen und da eher Männer). In Summe hat sie viel weniger Zustimmung unter Jungen als in der “allgemeinen Bevölkerung”. Weiters ist die ÖVP auf die Nase gefallen, was ich als gerecht empfinde - und was auch die Tore für Rot-Grün in Wien etwas geöffnet hat. Hier meine Parteianalysen
Ergebnis der SPÖ: Die SPÖ hat einen extrem teuren und aufwendigen Wahlkampf geführt, der auf zwei großen Strategien aufgebaut war: 1) “Das Duell um Wien: Häupl gegen Strache” 2) “Wien ist super (Lebensqualität usw.): Wien ist SPÖ”. Diese Strategien waren zweifellos erfolgreich, aber es waren höchstwahrscheinlich die falschen Strategien. Die einzigen, die diese groß-Strategien angesprochen haben, waren GrünwählerInnen (und da hauptsächlich aus den “bürgerlicheren” Innenstadtbezirken). Gegen Strache hat in den Außenbezirken und nicht wirklich gezogen, weil die FPÖ dort zu präsent war. Die “Wien ist eh super” Strategie hat ebenfalls nur bei den etwas besser situierten Innenstadtbezirklern gezogen, weil die anderen das wahrscheinlich als überheblich empfunden haben. Das erklärt auch warum bei der Gemeinderatswahl ALLE (und nicht nur die einwohnerInnenstarken Flächenbezirke - Favoriten/Donaustadt usw.) eine rote Mehrheit verbuchen konnten. Die SPÖ hat also (bewusst oder nicht) versucht ihr Ergebnis auf Kosten der Grünen zu retten. Wenn man es genau bedenkt, hat sie damit in den ärmeren Bezirken ein wenig resigniert. Ansonsten hat sich die SPÖ auf das “Integrationsthema” eingelassen, ohne wirklich Antworten zu geben. Ihre Antwort war “alle müssen sich an die Hausordnung halten” und “gegen Strache”. Keine Antworten geben, gleichzeitig einen angreifen, der so scheint als würde er Antworten geben - das KANN nur nach hinten losgehen! Weiters hat Häupl als “strenger Hausmeister” wahrscheinlich sogar die autoritären Ansätze der FPÖ kopiert mit dem Unterschied, dass die FPÖ auch sagt was sie als “strenger Hausmeister” tun würde. In Summe war das keine klar erkennbar sozialdemokratische Kampagne, sondern leider das übliche sozialdemokratische Wischiwaschi was sich nicht entscheiden kann. Die SPÖ hat im Grunde in diesem Wahlkampf kein eigenes Thema gesetzt - keine soziale Wirtschaftspolitik, keine soziale Gerechtigkeit - nur “Wien is eh supa”. Das kann einer “sozialdemokratischen” Partei im ArbeiterInnen-Klientel nur massiv Stimmen kosten. Da war Strache schon präsenter - Deshalb hat die FPÖ auch in den Außenbezirken SO massiv dazugewonnen (sogar bis zu + 18%). Ich glaube zwar die FPÖ hätte so oder so dazu gewonnen, aber 26% hätten es nicht sein müssen. Außerdem: Durch die Duell-Strategie der SPÖ wurde Strache zusätzlich wichtiger gemacht, als er ist. Allzu schlimm für die SPÖ ist es nur deshalb nicht ausgefallen, weil sie extrem viele GrünwählerInnen zu sich mobilisiert hat
Ergebnis der ÖVP: War völlig zu erwarten. Ihr Wahlkampf war miserabel. Eine “liberale” Marek, die zu einer Law-and-order Hardlinerin ummodeliert werden soll ist schon mal echt schwer - weiters hat die ÖVP nicht nur Häupl sympatisch plakatiert, sondern bis in’s Detail solche Aktionen geschoben (z.B. “Die Roten sind die besten - aber nur in diesem Sackerl”, Anti-Rotgrün Werbung die Rotgrün sympathisch macht, miserable TV-Auftritte von Marek und ein VÖLLIGES Fehlen von Themen im ganzen Wahlkampf - Stichwort: “Frischer Wind” und “Schwarz ist geil”). In Summe miserabel. der schlechte Wahlkampf, Law und Order Sprüche und gleichzeitig kein wirkliches personelles Angebot an “rechte WählerInnen” führte direkt zu einem Ergebnis: Alle minus-Prozent gingen zur FPÖ. Die ÖVP hat direkt auf das Konto der FPÖ eingezahlt.
Die Grünen: Wir Grüne haben es uns selbst nicht leicht gemacht. Durch den Listenstreit in 2 von 23 Bezirken haben wir von den Medien ein Chaos-Image verpasst bekommen, dass recht kurz vor der Wahl sehr demobilisiert hat. Es hätte verhindert werden müssen, dass die Abspaltungen passieren (in Mariahilf ist die Abspaltung nicht einmal in den Bezirksrat (!) eingezogen). Das war es nicht wert. Weiters haben wir keine wirkliche Antwort darauf gefunden, dass es das Häupl-Strache Duell nicht gibt und nur Teil einer SPÖ-Strategie ist, die letztlich wahrscheinlich sogar FÜR Strache mobilisiert hat. Der Grüne Wahlkampf war gut und Maria Vassilakou ist (nicht nur in den TV-Diskussionen) so richtig aufgeblüht. Ich vermute, dass die Grünen vor einem Monat noch bei 9-10% gelegen haben. Der Themen-Wahlkampf, die Direktkontakte, Beisltouren, der engagierte Wahlkampf von vielen, die TV-Auftritte von Maria Vassilakou haben für uns doch noch ein recht respektables Ergebnis zusammengebracht. Die Grünen haben übrigens von überall gewonnen, nur an die SPÖ haben wir mehr als ein Drittel der WählerInnen verloren - halb so viel wie die SPÖ an die FPÖ verloren hat (das zeigt ein wenig die Hirnrissigkeit der Häupl-Strache Strategie).
FPÖ: Über die FPÖ wird eh viel zu viel geschrieben - sie hat einfach das gemacht, was sie immer macht und hat jahrelang darauf hingearbeitet - 20% - 22% waren absehbar, aber SPÖ und ÖVP haben leider das Ergebnis aus besagten Gründen noch nach oben gepusht. An eine Partei hat die FPÖ übrigens verloren (die Grünen ;-) Außerdem hat die Abschiebung der beiden 8-Jährigen Mädchen durch die Innenministerin - rechtzeitig vor den Wahlen - eventuell (so abscheulich das klingen mag) nochmal für die FPÖ mobilisiert. Ansonsten glaube ich an eine wirksame Gegen-Strategie: Weniger über Strache und seine FPÖ reden und schreiben - sondern mehr über die eigenen Ideen und Vorstellungen.

12. Oktober, 2010 um 23:33
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Die Grünen: Wir Grüne haben es uns selbst nicht leicht gemacht.
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